Feb
26
2010

AS
Die Frankfurter Rundschau hat ein längeres Interview mit Peter Sawicki geführt, was m.E. ganz interessant ist.
Gefunden hatte ich das über kuhrtgesagt.de, wo folgendes sehr prägnante Zitat übernommen worden war:
Natürlich beeinflusst die Pharmaindustrie die Politiker. Viele Abgeordnete erzählen mir: “Jeden Tag ist jemand von der Industrie bei mir, der sich über Sie beschwert.” Ich habe mich auch mal mit der Gesundheitsgruppe der CDU im Bundestag getroffen, um über Methoden der Kosten-Nutzenbewertung von Arzneimitteln zu sprechen. Wohl damit die Abgeordneten nicht zu einseitig von mir beeinflusst werden, haben sie dann Frau Yzer und ihre Mitarbeiter vom Verband der forschenden Arzneimittelhersteller dazugebeten. Das war ein sehr unangenehmes Gespräch.
Allen, denen es um die Rechte der Patienten und um deren bestmögliche Behandlung geht muss ein unabhängiges IQWiG eine Herzensangelegenheit sein. Sehr spannend ist nun also die Frage der Neubesetzung des Stuhles von Peter Sawicki. Seine Einschätzung dazu macht aber Hoffnung
Was raten Sie Ihrem Nachfolger?
Das Wesentliche ist Unabhängigkeit. Sobald man sich mit jemandem gemein macht und aufgrund dieses Einflusses die Empfehlungen verändert, ist das Institut am Ende.
Sehen Sie diese Gefahr nicht?
Natürlich. Aber alle Mitarbeiter des Instituts werden die Unabhängigkeit auch ohne mich verteidigen.
Das ganze Interview bei der Frankfurter Rundschau findet sich hier.
Tags: IQWiG, Pharma, Politik
Jan
08
2010

AS
Die rot-grüne Bundesregierung hatte ein Institut (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, siehe Wikipedia), geschaffen, das unabhängig von der Pharmaindustrie und der Regierung unter anderem Nutzenbewertungen für Medikamente durchführt. Das Institut wird mit hochqualifizierten Kräften aus dem In- und Ausland versorgt, stärkt die Evidenzbasierte Medizin (siehe Wikipedia) in Deutschland, macht wissenschaftlich hervorragende Arbeit, wird international sehr geschätzt, schafft Klarheit über wirksame und nicht wirksame Medikamente, spart so den Krankenkassen Geld und bringt Ärzten und Patienten Sicherheit im Behandlungsverlauf.
Mit dem Erscheinen des aktuellen Koalitionsvertrages zwischen CDU, CSU und FDP ist allerdings schon zu erkennen, dass der Wind dem IQWiG künftig frostiger ins Gesicht schlagen wird:
Kosten-Nutzen-Bewertungen müssen praktikabel nach klaren, eindeutigen Kriterien erfolgen. Die Arbeit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werden wir auch unter dem Gesichtspunkt stringenter, transparenter Verfahren überprüfen und damit die Akzeptanz von Entscheidungen für Patienten und Patienten, Leistungserbringer und Hersteller verbessern. Dabei werden wir die Betroffenen frühzeitig beteiligen.
Konkret wird aktuell laut über die Ablösung des streitbaren Institutsleiters debattiert und zwischen den Zeilen übermittelt, dass ein pharmafreundlicher Kandidat als Nachfolger gewünscht sei.
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Tags: FDP, IQWiG, Pharma, Philipp Rösler, TV, Video